Übersicht News
06.10.2011 BGH: Markenrechtsverletzung bei Weiterverkauf von OEM-Versionen mit Echtheitszertifikaten ohne Hardware
Der Weiterverkauf von OEM-Versionen mit zuvor von (teils anderen) Computern abgelösten...
28.09.2011 BGH: Hersteller von kompatiblen Druckerpatronen dürfen Bildmotive des Originalherstellers übernehmen
Bildmotive, z.B. Teddybären, Badeentchen oder Sonnenschirme, die der Originalhersteller für die...
25.07.2011: BGH erlaubt die Nutzung von Marken Dritter als Keywords im Rahmen kontextsensitiver Werbung (AdWords-Werbung) (Urteil vom 13.01.2011, I ZR 125/07)
Amtlicher Leitsatz: Gibt ein Dritter ein mit einer Marke identisches Zeichen ohne Zustimmung des...
22.07.2010: BGH: Keine Verpflichtung von ebay zur manuellen Bildkontrolle möglicher markenverletzender Angebote
1. eBay muss nicht manuell anhand der eingestellten Produktabbildungen überprüfen, ob...
21.07.2011: BGH zur Neutralisierung der Zeichenähnlichkeit bei Wort-/Bildmarken mit identischem Wort-, aber unterschiedlichem Bildbestandteil, wenn die betreffenden Waren regelmäßig auf Sicht gekauft werden (BGH, Urteil vom 20. Januar 2011 - I ZR 31/09)
Amtlicher Leitsatz: Eine nach dem Klang zu bejahende Identität oder Ähnlichkeit einander...
20.06.2011: EU-Kommission veröffentlicht Verordnungsvorschlag zur fundamentalen Revision des Rechts für diätetische Lebensmittel
Am 20.06.2011 hat die Kommission einen Vorschlag für eine „Verordnung des europäischen Parlamentes...
05.05.2011, BGH: Handel mit Markenparfümimitaten nicht unlauter, wenn keine klare und deutliche Imitationsbehauptung erfolgt, sondern lediglich Assoziationen an die Originale geweckt werden
Das Angebot von Imitationen von Markenparfums, deren Duft dem teurerer Markenparfums ähnelt, ist...
19.04.2011: BGH: Autohersteller kann unabhängigen Werkstätten die Benutzung der Markenlogos (Bildmarken) verbieten
Voraussetzungen und Reichweite des Rechts zur Benutzung fremder Marken als notwendige...
17.03.2011: BGH verbietet Werbung mit durchgestrichenen Preisen
Eine Werbung mit hervorgehobenen Einführungspreisen, denen höhere durchgestrichene Preise...
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06.10.2011 BGH: Markenrechtsverletzung bei Weiterverkauf von OEM-Versionen mit Echtheitszertifikaten ohne Hardware
Der Weiterverkauf von OEM-Versionen mit zuvor von (teils anderen) Computern abgelösten Echtheitszertifikaten stellt eine Markenrechtsverletzung dar. Da die Markeninhaberin nicht für die Echtheit derartige Produkte einsteht und sie auch nicht unter ihrer Kontrolle hergestellt werden, tritt auch keine Erschöpfung gem. § 24 MarkenG ein (I ZR 6/10 -Echtheitszertifikat).
Pressemitteilung des BGH vom 06.10.2011:
Microsoft gewinnt Rechtsstreit über Windows-Software mit Echtheitszertifikaten
Die Klägerin ist die Microsoft Corporation. Sie ist Inhaberin der Wortmarke "MICROSOFT", unter der sie die Betriebssystem-Software "Windows" vertreibt. Bei der sog. OEM-Version wird die Software durch den Computerhersteller auf der Festplatte der Computer vorinstalliert. Die Käufer der Computer erhalten zusätzlich eine Sicherungs-CD mit der Software (sog. Recovery-CD). Bei diesem Vertriebsweg sind die Echtheitszertifikate, die die Klägerin ihren Produkten beifügt, an dem Computer selbst angebracht.
Die Beklagte handelt mit Softwareprodukten. Sie erwarb von Unternehmen, die mit gebrauchten Computern handeln, Recovery-CDs mit der Software "Windows 2000" sowie Echtheitszertifikate, die von den Computern abgelöst worden waren. Die Beklagte brachte diese Echtheitszertifikate an den Recovery-CDs an und verkaufte diese weiter. Dabei wurden Datenträger veräußert, die mit Echtheitszertifikaten versehen waren, die ursprünglich nicht aus demselben Paket (Computer mit Sicherungs-CD) stammten. Die Klägerin sieht darin eine Verletzung ihrer Markenrechte.
Das Landgericht hat die Beklagte zur Unterlassung verurteilt und festgestellt, dass sie der Klägerin eine angemessene Lizenzgebühr zahlen muss. Die dagegen gerichtete Berufung der Beklagten ist ohne Erfolg geblieben. Mit ihrer Revision erstrebt die Beklagte die Abweisung der Klage.
Der für das Markenrecht zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat die Revision der Beklagten zurückgewiesen. Dem Unterlassungsanspruch der Klägerin steht nicht der Erschöpfungsgrundsatz gemäß § 24 Markengesetz entgegen. Zwar sind die von der Beklagten vertriebenen Datenträger und die Computer, an denen die von der Beklagten verwendeten Echtheitszertifikate angebracht waren, mit Zustimmung der Klägerin im Europäischen Wirtschaftsraum in den Verkehr gelangt. Die Klägerin kann sich aber aus berechtigten Gründen dem Vertrieb der mit den Echtheitszertifikaten versehenen Sicherungs-CDs widersetzen. Der Verbraucher wird einem mit dem Echtheitszertifikat versehenen Datenträger die Aussage entnehmen, dass dieser von der Klägerin selbst oder mit ihrer Zustimmung als echt gekennzeichnet wurde. Er wird die Verbindung des Datenträgers mit dem Zertifikat der Klägerin als Markeninhaberin zuschreiben und erwarten, dass diese durch die Verbindung die Gewähr dafür übernommen hat, dass die so gekennzeichnete Ware unter ihrer Kontrolle hergestellt wurde und sie für die Echtheit einsteht, was jedoch nicht der Fall ist.
Urteil vom 6. Oktober 2011 - I ZR 6/10 – Echtheitszertifikat
LG Frankfurt am Main – Urteil vom 23. Juli 2008 – 6 O 439/07
OLG Frankfurt am Main – Urteil vom 12. November 2009 – 6 U 160/08
Karlsruhe, den 6. Oktober 2011

